Depression oder der Besuch der Dame in Schwarz – Teil 1: Symptome und Entstehung der Depression

Eine tief getrübte Stimmung, die sich nicht aufhellen lässt. Das Fehlen von Antrieb, gepaart mit ständiger Müdigkeit. Oder das Gefühl, keine Freude empfinden zu können, weil die Welt jegliche Farbe verloren hat. Wenn solche Eindrücke deinen Alltag prägen, kann möglicherweise eine Depression dahinterstecken. Carl Gustav Jung, ein Pionier in der Psychologie, verglich die Depression mit einer Dame in Schwarz, die regelmäßig zu Besuch kommt und Dunkelheit mitbringt.

„Depression“, „depressiv“, „deprimiert“ – diese Begriffe werden oft leichtfertig verwendet, doch eigentlich bezeichnen sie eine ernste psychische Erkrankung, auf die man reagieren sollte. Und auch kann! Denn mit modernen Therapieansätzen ist man der Depression nicht mehr hilflos ausgeliefert, wie es vor einigen Jahrzehnten noch der Fall war.

 

Die Depression selbst macht es den Betroffenen dabei oft schwer, Hilfe zu suchen – besonders die Antriebslosigkeit und Hoffnungslosigkeit, die Menschen mit Depressionen spüren. Wie ein Mensch am Verdursten, der alle Kraft aufbringen muss, um die Hand nach einem Glas Wasser auszustrecken, das er plötzlich neben sich findet. Hat er es aber geschafft – ob allein oder mit Hilfe durch andere –, kann ihn Schluck für Schluck neue Lebenskraft erfüllen. Und auch in der Therapie einer Depression arbeiten wir gemeinsam daran, neue Kraft zu schöpfen und wieder mehr Farbe ins Leben zu bringen.

 

In dieser zweiteiligen Blogreihe möchte ich dir hilfreiche Informationen rund um die Depression an die Hand geben. Sie sollen helfen, die Erkrankung besser zu verstehen und neuen Mut zu fassen, damit Betroffene die Segel in Richtung Behandlung setzen können. Im ersten Teil setzen wir uns mit den Symptomen, den Risikofaktoren und der Entstehung einer Depression auseinander. Der zweite Teil hingegen behandelt den Verlauf einer Depression, die Rolle des Umfelds sowie Therapiemöglichkeiten.

 

Hier geht’s zum 2. Teil:  Depression oder der Besuch der Dame in Schwarz – Verlauf, Unterstützung & Behandlung

An welchen Symptomen erkenne ich eine Depression?

Von einer klassischen Depression zu sprechen ist schwierig, weil es eine Reihe von Symptomen gibt, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt sind. Zu den typischen Symptomen einer Depression zählt die Weltgesundheitsorganisation WHO:

  • gedrückte Stimmung
  • verminderter Antrieb
  • Verlust von Interessen und Unfähigkeit, Freude zu empfinden
  • starke Müdigkeit
  • geringes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle
  • Gefühl der Wertlosigkeit
  • verschiedene körperliche Symptome, darunter Schlafprobleme, verminderter Appetit, verringerte sexuelle Lust, Bewegungsverlangsamung oder Unruhe
  • Suizidgedanken

Manche dieser Symptome können bei jedem hin und wieder auftreten, ohne dass sie krankheitswertig sind – Müdigkeit oder eine gedrückte Stimmung etwa. Bei der Depression aber nehmen solche Erscheinungen ein Ausmaß an, das Betroffene in ihrem Alltag stark belastet oder einschränkt. Das betrifft sowohl die Dauer bzw. Häufigkeit als auch die Intensität der Symptome, die prinzipiell in Phasen auftreten und zwischenzeitlich auch ganz verschwinden können. Je nach Schwere der Depression sind dann mindestens zwei, bei schweren Depressionen aber auch alle der genannten Symptome zu bemerken.

Wie wird eine Depression diagnostiziert?

Die Diagnose Depression wird von einer psychologisch geschulten Person gestellt, die die vorhandenen Symptome erkennen und richtig einordnen kann. Das können beispielsweise PsychiaterInnen oder klinische PsychologInnen sein.

Häufigkeit, Risikofaktoren und Entstehung der Depression

Die Depression ist längst nicht selten. Im Gegenteil: Über 6 % der Menschen in Österreich entwickeln im Laufe ihres Lebens eine depressive Erkrankung (Quelle: Gesundheitsministerium). Frauen sind in der Statistik minimal häufiger repräsentiert als Männer. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass Frauen eher Hilfe annehmen als Männer, bei denen die Erkrankung deshalb oft unentdeckt bleibt.

 

Das Geschlecht kann also nicht wirklich als Risikofaktor für eine Depression gesehen werden, wohl aber die Lebensbedingungen, traumatische Erlebnisse, eine genetische Vorbelastung oder auch bestimmte psychische Erkrankungen – entweder weil sie selbst depressive Elemente enthalten oder das Risiko für die Entstehung einer Depression erhöhen. Grundsätzlich aber kann jeder Mensch eine Depression entwickeln.

 

Alles in allem zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren bei einer Depression:

  • genetische und hormonelle Faktoren
  • Traumata und belastende Lebensereignisse
  • anhaltende Überforderung
  • ungünstige Denkmuster, verknüpft mit negativem Selbstbild
  • fehlender sozialer Rückhalt
  • körperliche und Lebensveränderungen (z. B. Geburt oder Menopause)
  • körperliche Erkrankungen
  • prekäre Lebensumstände
  • Substanzmissbrauch

Nachdem wir uns nun die Symptome und die Entstehung einer Depression angeschaut haben, geht es im zweiten Teil um ihren Verlauf, die Rolle des Umfelds und die Behandlung einer Depression. Denn dank moderner Therapieansätze gibt es zahlreiche Wege, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen!

 

Hier geht’s zum 2. Teil:  Depression oder der Besuch der Dame in Schwarz – Verlauf, Unterstützung & Behandlung


AkutMASSNAHMEN im Krisenfall

Suizidgedanken können gerade bei einer Depression Teil der Erkrankung sein. An dieser Stelle deshalb der klare Hinweis: Falls du dich jetzt oder irgendwann in einer Situation befindest, in der du dir etwas antun möchtest, dann gibt es akute Hilfe für dich!

 

Wenn solche Gedanken aufkommen, kannst du entweder jemanden aus deinem Umfeld um Hilfe bitten oder auch direkt den Notruf wählen. Bitte zögere nicht: Konkrete Suizidgedanken bedeuten Gefahr für dein Leben und sind deshalb ein medizinischer Notfall – und es gibt SpezialistInnen, die dir helfen können und wollen.

 

Für akute Hilfe im Krisenfall

 

Österreichweit

  • Notruf: 112

  • Telefonseelsorge
    Tel.: 142 (Notruf), täglich 0–24 Uhr
    Telefon-, E-Mail- und Chat-Beratung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder Krisenzeiten.
    Online unter www.telefonseelsorge.at.

  • Polizei
    Tel.: 133
    Gefahrenabwehr und Prävention bei Selbst- und Fremdgefährdung
    Online unter www.polizei.gv.at.

  • Rettung
    Tel.: 144

  • Männernotruf
    Tel.: 0800 246 247
    Der Männernotruf bietet Männern in Krisen- und Gewaltsituationen österreichweit rund um die Uhr eine erste Ansprechstelle.
    Online unter www.maennernotruf.at.

  • Männerinfo
    Tel.: 0800 400 777
    Telefonische Krisenberatung rund um die Uhr aus ganz Österreich; bei Bedarf auch gedolmetschte Beratung; anonym, vertraulich, kostenlos.
    Online unter www.maennerinfo.at.

  • Frauenhelpline
    Tel.: 0800 222 555
    Die Frauenhelpline gegen Gewalt bietet rund um die Uhr Informationen, Hilfestellungen, Entlastung und Stärkung – auch in Akutsituationen.
    Online unter www.frauenhelpline.at.

  • Ö3 Rotes Kreuz Kummernummer
    Tel.: 116 123
    Die Ö3-Kummernummer ist aus allen Netzen zum Nulltarif erreichbar, absolut anonym; täglich von 16 bis 24 Uhr. Die Ö3-Kummernummer ist eine Erstanlaufstelle für alle Menschen in persönlichen Notlagen. Weitere Informationen finden Sie auch online unter www.roteskreuz.at.

Kinder und Jugendliche

  • Die Website bittelebe richtet sich gezielt an Kinder und Jugendliche. Online unter bittelebe.at

  • Rat auf Draht: Tel.: 147. Beratung für Kinder und Jugendliche. Anonym und rund um die Uhr. www.rataufdraht.at.

  • Kindernotruf: Tel.: 0800 567 567. Der Kindernotruf ist eine 24-Stunden-Telefonberatung in akuten Krisen sowie Konfliktsituationen.

Tirol

  • Psychosozialer Krisendienst Tirol
    Tel.: 0800 400 120
    Montag bis Sonntag 8 bis 20 Uhr
    Ergänzend zum telefonischen Angebot gibt es auch die Möglichkeit einer ambulanten Krisenintervention und eines aufsuchenden Dienstes im Krisenfall.
    Nähere Informationen online unter krisendienst.tirol.

  • Universitätsklinik für Psychiatrie Innsbruck
    Tel.: 050 504 (diensthabende Psychiaterin bzw. diensthabenden Psychiater verlangen), tägl. 0-24 Uhr
    Online unter psychiatrie.tirol-kliniken.at.

 

(Quelle: Gesundheitsministerium am 23.10.2025; keine Gewähr auf Aktualität oder Richtigkeit – im Zweifelsfall finden Sie alle Angaben auf der Website des Gesundheitsministeriums)